Tunnel - Impuls November 2010
Tunnel - Impuls November 2010

1. und 2. November, Allerheiligen und Allerseelen

Die beiden Festtage zu Beginn des November erinnern uns an etwas, was wir gerne aus der gesellschaftlichen und persönlichen Wirklichkeit verdrängen: dass Sterben und Tod zum Leben dazu gehören. Dem können wir uns aber gerade deshalb stellen, weil Jesus will, dass wir „das Leben haben und es in Fülle haben.“ Wir wissen unsere Toten nicht im Nichts, sondern in der Hand Gottes.

In unserem Impuls zum Monat November lesen Sie, was Anfang und Ende des Lebens miteinander zu tun haben und welche Bedeutung die Malteser Hospizarbeit nicht nur für sterbende Menschen und deren Angehörige hat, sondern was wir alle davon lernen können.

Jugendwahn und Spaßgesellschaft sind gängige Schlagwörter im Selbstgespräch einer Gesellschaft, die Leiden, Sterben und Tod mehr und mehr an den Rand drängt. Die immer stärkere Negierung des Sterbens führt aber gerade zu einer aufblühenden Sterbeindustrie. Immer mehr Menschen spüren beim Gedanken an das eigene Lebensende die Sorge, ihren Angehörigen zur Last fallen zu müssen, hinzu kommt die Angst vor Schmerzen und Leiden. Sie sind Zielgruppe sogenannter Sterbehilfeorganisationen, die regelmäßig auch in Deutschland immer wieder die Legalisierung ihres Tuns fordern.

Das Sterben aber ist ein Teil des Lebens, nicht des Todes. Es gehört zum Leben dazu wie das Geborenwerden. Und an beiden Enden des Lebens entsteht bei vielen Menschen entgegen des oben beschriebenen Trends doch ein Bewusstsein dafür, dass Anfang und Ende des Lebens mit ins Leben selbst hineingehören. Schon lange gibt es in der Geburtshilfe geradezu einen Trend zu alternativen, natürlichen Formen, weg vom Krankenhaus und hin zur Hausgeburt oder zu ambulanten Geburtshäusern: Das Kind soll am liebsten daheim auf die Welt kommen oder doch in einer schönen, gemütlichen Atmosphäre, denn wenn absehbar keine Schwierigkeiten zu erwarten sind, möchten viele Frauen auf die medizinische Unterstützung einer Klinik lieber verzichten.

Genauso naheliegend ist der Wunsch der meisten Menschen, zuhause sterben zu können. Oder doch zumindest nicht im Krankenhaus. Die Malteser Hospizarbeit ist für diese Menschen da, begleitet Sterbende ebenso wie deren Angehörige und Freunde. Dazu gehört die Palliativmedizin, die darauf zielt, Schmerzen durch individuelle Therapie und Pflege vorzubeugen oder zu lindern.

Über 2.000 ehrenamtliche und fast 200 hauptamtliche Malteser Mitarbeiter setzen sich in achtzig Hospizdiensten und Palliativeinrichtungen für sterbende Menschen ein. Sie setzen ein echtes Zeichen der Menschenwürde, der unbedingten Achtung menschlichen Lebens bis ganz zum Schluss.

Eine wichtige Motivation der Malteser Hospizarbeit liegt in der Zuversicht, dass eben diese Menschenwürde von Gott her begründet ist. Von Gott ganz und gar gewollt und angenommen bleibt der Mensch immer sein Geschöpf, auch im Todeskampf ist er nicht allein. So ist die Begleitung Sterbender auch eine Konkretisierung der Gegenwart Jesu selbst am Bett eines totgeweihten Menschen.

Sie empfängt aber auch Kraft aus der Verheißung, dass der Tod nicht das letzte Wort über uns hat. Jesus will, dass wir „das Leben haben und es in Fülle haben.“ Dessen können wir uns gerade an Allerheiligen und Allerseelen wieder bewusst werden. Dass wir unsere Toten nicht im Nichts wissen sondern in der Hand Gottes, diese Hoffnung auf die Auferstehung, strahlt ihrerseits zurück mitten in unser Leben hinein.

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