Einsatzjacke - Impuls September 2010
Einsatzjacke - Impuls September 2010

14. September, Kreuzerhöhung

Die Seligpreisungen Jesu, auf die die acht Spitzen des Malteser Kreuzes hindeuten,
verpflichten uns zum sozialen Engagement, das mehr ist, als nur wohlfeiles „Gutes tun“. Denn Jesus selbst warnt: „Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.“

In unserem Impuls zum Monat September lesen Sie, was die Geschichte des Kreuzes und des Malteser Ordens gemeinsam haben und wofür sich der Wappenschild als Zeichen der Verteidigung auch heute gebrauchen lässt.

Zu der Zeit, als das Volk Israel durch die Wüste zog, kam eine Schlangenplage über sie und Mose stellte eine Kupferschlage her und befestigte diese an einer Fahnenstange. Gott hatte zu ihm gesprochen: „Jeder, der gebissen wird, wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht.“

Im Neuen Testament kommt Jesus auf diese Erzählung im Buch Numeri zurück. Johannes überliefert das Nachtgespräch Jesu mit Nikodemus, wo Jesus diesem erläutert: „Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat.“ Damit deutet Jesus auf seinen Tot am Kreuz hin, auf die radikale Umdeutung von Tod und Vernichtung. Die Aufrichtung des Gekreuzigten, die doch eigentlich darauf zielt, das Opfer dem Spott der Umstehenden preiszugeben, dient der Erhöhung Jesu. Mit seinem freiwilligen Opfer durchbricht Christus den ewigen Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt, von Schuld und Rache, indem er alle Schuld auf sich lädt.

Das Fest der Kreuzerhöhung, das die Kirche im September feiert, geht in seinem Ursprung auf die Kaiserin Helena zurück, von der es heißt, sie habe das Kreuz Jesu in Jerusalem suchen lassen. Kaiser Konstantin ließ an der Stelle des Fundortes eine große Kirche erreichten, in der das Kreuz aufbewahrt wurde. Die wechselvolle Geschichte der Kreuzverehrung von da an folgt der Geschichte Jerusalems: Eroberungen durch die Perser und später durch das Islamische Reich sorgten unter anderem dafür, dass sich die Splitter vom Holz des Kreuzes als Reliquien in den folgenden Jahrhunderten über die ganze Welt verstreuten. Ähnlichkeiten zur Geschichte des Malteser Ordens gibt es durchaus, der, seinen Ursprung in Jerusalem nehmend, trotz Rückzug aus dem Heiligen Land und verschiedener Stationen, sich heute in viele Länder ausgedehnt hat. Und der das Kreuz zu seinem Zeichen gemacht hat.

Die acht Spitzen des charakteristischen Malteser Kreuzes stehen für die acht Seligpreisungen der Bergpredigt. In ihnen entfaltet Jesus eine Art Programm der Gottesherrschaft, das alle gängigen Vorstellungen von Herrschaft und Macht auf den Kopf stellt. Die Verheißungen Jesu sind keine bloßen Trostworte, die eine jenseitige Entschädigung für diesseitig erlittenes Unrecht versprechen. Die Armen und Trauernden, die Friedfertigen und nach Gerechtigkeit Hungernden, die Barmherzigen und die Menschen reinen Herzens, die Friedensstifter und die Verfolgten – sie bekommen eine Perspektive vor Augen gestellt, die sich jetzt schon hier auf Erden entfalten soll. Dabei sind Jesu Worte kein sozialrevolutionärer Aufruf zum Umsturz. Jesus entwirft sein Bild von Gerechtigkeit und das ist eine Gerechtigkeit, die in letzter Konsequenz nur Gott selbst herstellen kann. Weil wir als Christen aber glauben, dass das Reich Gottes mit Jesu Wirken in dieser Welt bereits angebrochen ist, stellen die Seligpreisungen ein Maß dar, an dem sich unser Zusammenleben als Menschen in dieser Gesellschaft messen lassen muss.

Die Seligpreisungen schließen mit einer neunten, in der Jesus sich direkt an seine Jünger wendet und die achte konkretisiert: „Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.“

Soziales Engagement im Zeichen des Kreuzes ist nämlich immer mehr als die Umsetzung des wohlfeilen Spruches „Tu Gutes und sprich darüber.“ Wenn wir uns konsequent für andere Menschen einsetzen, ernten wir nicht immer nur Schulterklopfen. Es kann widerständig sein, hinterfragt werden und zu Konflikten führen, wenn wir unmissverständlich an der Seite benachteiligter, kranker oder behinderter Menschen stehen. Dafür aber tragen die Malteser ihr Kreuz auf dem Schild, dem Zeichen der Verteidigung. So können wir der Verharmlosung und Relativierung menschlichen Leids ebenso entgegentreten wie der Verharmlosung und Relativierung des Glaubens, für den das Kreuz steht.

Konzept & Design: qpoint - Contentmanagement und Programmierung: BOOS:DV