17. Februar, Aschermittwoch

Umkehr ist Bewegung. Sie bedeutet, mich zwischen meinen Möglichkeiten zu bewegen und neue Entscheidungen zu treffen. Bewegung führt zu Begegnung. Diese Art von geistiger, seelischer Mobilität, die uns nicht nur vor Ostern gut ansteht, ist mit unserer körperlichen Beweglichkeit eng verknüpft, denn Leib und Seele gehören zusammen.

In unserem Impuls zum Monat Februar lesen Sie, wie sich die eigene Bewegungsmöglichkeit wiederum mit anderen Menschen teilen lässt, und was uns der Malteser Fahrdienst für die Fastenzeit mit auf den Weg geben kann.

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Österliche Bußzeit, in der wir uns unter anderem an Jesu vierzigtägiges Fasten in der Wüste erinnern. Die Zahl Vierzig steht in der Bibel aber auch für andere Wüstenerfahrungen: Vierzig Jahr war das Volk Israel nach seinem Auszug aus Ägypten auf der Wanderschaft. Vierzig Tage und Nächste war Elia unterwegs zum Gottesberg Horeb. Vierzig Tage und Nächte blieb Mose auf dem Berg Sinai.

All diese Erzählungen haben mit Bewegung zu tun. Menschen sind unterwegs. Unter unwirtlichen Bedingungen – in der Wüste oder im Gebirge. Nichts anderes bedeutet Buße: Sich selbst weiter zu bewegen, meistens beschwerlich. Die Hitze des Tages und die Kälte der Nacht verlangen dem Wüstenwanderer einiges ab. Aber die Wüste ist ebenso wie der Berg nicht bloß ein Ort der Entbehrung. Die Kargheit der Natur wirft den Wanderer auf sich selbst zurück. Keine Leuchtreklame reizt das Auge, kein Hochhaus verstellt den Blick, kein Verkehrsrauschen überlagert als oft schon ganz unterbewusster Hintergrundton des Daseins die Sinne. Ja nicht einmal Vogelstimmen sind zu vernehmen, kein Baum ist da und keine Blume, an denen sich der Blick weiden könnte.

Und doch sind die Wüste und der Berg Orte der Begegnung – mit mir selbst und mit Gott.
Unser Heiland Jesus Christus wird in der Wüste „versucht“, er begegnet sich selbst in all seinen Möglichkeiten. Der Satan stellt dem Herrn die Perspektiven von Luxus und Macht vor Augen. Und der Satan hat natürlich recht, mit dem, was er sagt. Natürlich könnte Jesus Steine in Brot verwandeln, natürlich könnte er sich in die Tiefe stürzen ohne sich zu stoßen, natürlich könnte er sich dem Teufel zu Füßen werfen um die Reiche der Welt zu erringen. Wie einfach wäre das!

Genau das aber ist es, was den Menschen zum Menschen macht: Dass er mehr kann, als er tut. Oder umgekehrt: Dass er nicht alles darf, was er kann. Der Philosoph Martin Heidegger sagt: „Das Dasein (sprich: der Mensch) ist seine Möglichkeiten.“ Gott hat uns mit vielfältigen Talenten und Potenzialen beschenkt und mit der Fähigkeit, sie einzusetzen und zu entfalten. Zugleich mutet uns der Schöpfer die Freiheit zu, darüber selbst zu entscheiden. Das gilt im Großen wie im Kleinen. Ich kann meinem kleinen Bruder das Spielzeug wegnehmen, denn ich bin viel größer und stärker als er. Warum also nicht? Ich kann einen Menschen klonen – wäre es nicht geradezu fahrlässig, es dann nicht zu tun? Bevor es ein anderer tut?

Die Fastenzeit ist ein guter Anlass für uns, dass wir uns fragen: Wer bin ich mit all meinen Möglichkeiten? Wo nutze ich meine Möglichkeiten egoistisch und zum Nachteil für andere? Welche Möglichkeiten lass ich ungenutzt zum Nachteil für andere? Zu welchem Handeln lädt Gott mich ein durch die Möglichkeiten, die er mir schenkt? Wer über das Mögliche reflektiert, kann dann auch seine Ziele für die Fastenzeit realistisch stecken und sich Schritt für Schritt darauf zu bewegen. Diese Art von geistiger, seelischer Mobilität, die uns nicht nur vor Ostern gut ansteht, ist mit unserer körperlichen Beweglichkeit eng verknüpft, denn Leib und Seele gehören zusammen. Eine Form, die eigene Bewegungsmöglichkeit wiederum mit anderen Menschen zu teilen, ist der Malteser Fahrdienst. Malteser setzen hier ihre eigenen Möglichkeiten ein, um anderen Menschen neue Möglichkeiten (wieder) zu erschließen. So genutzt, vermehren sich die eigenen Möglichkeiten ins Vielfache, sie werden fruchtbar. Die Kargheit eingeschränkter Bewegungsfreiheit, unter der besonders manche alte oder behinderte Menschen leiden, wird so zum Blühen gebracht.

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