
- Migrant - Impuls Juli 2010
22. Juli, Maria Magdalena
Im Juli liegt der Gedenktag Marias von Magdala, die in der Überlieferung zumeist als Sünderin, gar als Prostituierte verstanden wird. In ihrer Person erkennen wir ganz deutlich die unbedingte Hinwendung Jesu zu den Menschen am Rande der Gesellschaft.
In unserem Impuls zum Monat Juli lesen Sie über Menschen, die nicht einmal am Rande leben, und in wiefern Maria Magdalena uns zum Nachdenken über die Malteser Migranten Medizin einlädt.
Der Hochsommer ist gewissermaßen eine Art Niemandsland im Kirchenjahr, gefühlte Ewigkeiten von den großen Festkreisen entfernt. In manchen Gemeinden werden während der Sommerferien die Gottesdienstzeiten ein wenig reduziert und nicht jeder „aktive Christ“ findet auch im Urlaub den Weg zur Eucharistiefeier. Maria Magdalena, derer die Kirche am 22. Juli gedenkt, droht im Sommerloch unterzugehen, wie sie es ihr auch zu Lebzeiten wohl gedroht hätte, wäre sie nicht dem Heiland begegnet.
Zweifellos ist Maria Magdalena – oder Maria von Magdala – eine der schillernsten Personen des Neuen Testamentes; obwohl oder vielleicht gerade weil wir nur wenig von ihr wissen. Auch wenn alle vier Evangelisten Maria erwähnen, bleibt zum Beispiel im Dunkeln, ob sie tatsächlich mit jener Sünderin identisch ist, die im Lukas-Evangelium erwähnt wird, als sie Jesus die Füße wäscht. In der Tradition der Kirche wird diese Frau nicht nur als Maria von Magdala interpretiert, es hat sich auch die Ansicht verbreitet, dass unter „Sünderin“ eine Prostituierte verstanden werden kann, eine Frau ganz am Rande der Gesellschaft. Und doch erleben wir diese Maria – die als eine der ganz wenigen Frauengestalten der Bibel nicht als Mutter, Schwester oder Partnerin eines Mannes sondern bloß über sich selbst definiert wird – sowohl beim Kreuz als auch am Ostermorgen beim Grab.
Dieses Spannungsverhältnis Marias von Magdala kann für den Dienst der Malteser durchaus inspirierend sein. Wie zum Beispiel in der Malteser Migranten Medizin. Sie richtet sich an Menschen ohne Krankenversicherung, sehr häufig Personen ohne gültigen Aufenthaltstitel, die auch als „Statuslose“ oder schlicht als „Illegale“ bezeichnet werden. Menschen mithin, die nicht einmal am Rande der Gesellschaft leben, sondern in der Gesellschaft, zumindest offiziell, schlichtweg einfach nicht vorkommen. Ärzte, Hebammen oder Apotheker, die sich im Netzwerk der Malteser Migranten Medizin engagieren, fragen nicht nach Namen oder Papieren. Sie sind einfach da und helfen.
Die Hinwendung Jesu zur Sünderin Maria aus Magdala kann genauso gut Vorbild für die selbstlose Hinwendung heute sein, wie andersherum auch das Ausharren der mutigen Maria beim sterbenden Gottessohn am Kreuz ein starkes Bild für den Dienst der Malteser ist. Maria und die anderen Frauen bleiben, während die meisten Jünger längst vor den Schergen des Hohen Rates geflohen sind.
Sie sind es, die die notwendigen Öle und Salben für Jesu Leichnam zubereiten sich am frühen Morgen des dritten Tages auf den Weg zum Grab machen. Maria ist sich dafür nicht zu schade; weder, die Füße Jesu mit ihren Haaren zu trocknen, noch, sich seines Leichnams an-zunehmen. Und so wird sie als eine der Ersten Zeugin seiner Auferstehung.







