28. März, Palmsonntag

Malteser Retter bewegen sich mit ihrer Tätigkeit oft an der Schwelle zwischen Leben und Tod eines Menschen, und sie gehen mit ihren belastenden Erfahrungen professio-nell um. Ein Retter weiß um seine Grenzen, weiß, dass es Situationen gibt, in der keine Rettung mehr möglich ist. Allumfassende Rettung in letzter Konsequenz erfahren wir nur durch Jesus Christus.

In unserem Impuls zum Monat März lesen Sie, was der Palmsonntag mit dem Thema Rettung zu tun hat und was uns jenseits der Grenzen unseres eigenen „Retten-Könnens“ erwartet.

Etwa alle 52 Sekunden ist der Malteser Rettungsdienst im Einsatz – eine anspruchs- und verant-wortungsvolle Tätigkeit, denn oft entscheiden wenige Augenblicke über Leben und Tod. Die bestens ausgebildeten Mitarbeiter des Rettungsdienstes bewegen sich oft an dieser Schwelle und gehen professionell mit ihren belastenden Erfahrungen um, denn genau diese Professionalität ist es, die im entscheidenden Moment zählt. Ein Retter, der weiß, wann es auf ihn ankommt, nimmt sich selbst zurück und ist ganz bei seinem Einsatz. Doch auch ein Retter weiß um seine Grenzen, weiß, dass es Situationen gibt, in der keine Rettung mehr möglich ist. Allumfassende Rettung in letzter Konsequenz erfahren wir nur durch Jesus Christus.

Ende März beginnt mit dem Palmsonntag die Karwoche. Wer im 12. Kapitel des Johannesevan-geliums die Erzählung über Jesu Einzug in Jerusalem nachliest, kann interessante Einblicke zum Thema Rettung und Retter gewinnen:

Sechs Tage vor dem Paschafest ist Jesus zunächst in Betanien zu Gast, wo auch Lazarus ist, den er von den Toten auferweckt hatte. Das Zusammentreffen führt unwillkürlich zu einem großen Volksauflauf, „viele Juden hatten erfahren, dass Jesus dort war, und sie kamen, jedoch nicht nur um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte.“ Und doch wird Lazarus eines Tages erneut sterben. Die Lebenszeit, die Jesus ihm geschenkt hat, als er ihn aus dem Grab rief, ist zweifellos unendlich wertvoll, so wie die Rettung eines Menschen aus einer Notfallsituation ein kostbares Geschenk darstellt, dass mit keinem Geld der Welt be-zahlt werden könnte. Und doch bleibt dieses Leben endlich, ebenso wie die Macht der Retter endlich bleibt. Beste Ausbildung und modernste Technik können das Leben im Zweifel nicht erzwingen.

Von Betanien aus kommt Jesus nach Jerusalem und die Menschen bereiten ihm einen rauschen-den Empfang. Einige der zu der Zeit in der Stadt anwesenden Griechen wollen Jesus sehen und sprechen Phillipus an, der mit Andreas zu Jesus geht. Der aber entgegnet: „Die Stunde ist ge-kommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Wei-zenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ Jesus ist der absolute Retter, der so weit geht, sich selbst ganz hinzugeben. Und an spä-terer Stelle dieser Rede fragt er: „Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen.“ Denn was wäre geworden, hätte sich Jesus vom Vater tatsächlich in dieser Stunde erretten lassen? Vielleicht wäre Jesus als großer Prophet, gar als König in die Geschichte eingegangen, die dann eben ein Stück Weltgeschichte geworden wäre, nicht aber Heilsgeschichte.

Jesus hat sich eingelassen auf den Plan des Vaters, zur Rettung für uns alle. Er hat sich dem Star-kult des Palmsonntags entzogen und ist seinen Weg zu Ende gegangen bis ans Kreuz des Karfrei-tags, verspottet und verhöhnt von den selben Menschen, die ihm Tage zuvor noch zujubelten. Er ist der Retter, der sich ganz auf seine Mission konzentriert. Und eben weil wir durch ihn gerettet sind, wissen wir, dass wir selber nicht perfekt sein müssen.
Hinter den Grenzen dessen, was wir vermögen, ist nicht Schluss. An dieser Grenze wartet Chris-tus selbst, der uns trägt.

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