
- Wüste
6. Januar, Erscheinung des Herrn, Dreikönigsfest
Über die Sterndeuter aus dem Osten heißt es im Evangelium: „Weil ihnen im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.“ Eher unfreiwillig geht es vielen Urlaubern heutzutage so, die wegen Krankheit oder eines Unfalls den Malteser Rückholdienst nutzen.
In unserem Impuls zum Monat Januar lesen Sie, auf welche Weise die Rückkehr auf anderen Wegen auch für die innere Verwandlung eines Menschen stehen kann und welche Perspektiven sich vielleicht ergeben, die auch mit dem Rückholdienst zu tun haben können.
Die Geschichte der Sterndeuter, an die wir uns am Dreikönigsfest erinnern, ist die Geschichte einer seltsamen Reise mit überraschendem Ende. Matthäus berichtet: „Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.“
Die weisen Männer aus dem Osten, fanden ein Kind vor, das so gar nicht dem gängigen Bild von Königtum, von Macht und Herrschaft entsprach. „Sie mussten ihren Begriff von Macht, von Gott und vom Menschen ändern und darin sich selbst ändern“, so erläuterte es Papst Benedikt XVI. beim XX. Weltjugendtag in Köln. „Sie sahen nun: Die Macht Gottes ist anders als die Macht der Mächtigen der Welt. Er stellt der lauten, auftrumpfenden Macht dieser Welt die wehrlose Macht der Liebe gegenüber, die am Kreuz – und dann in der Geschichte immer wieder – unterliegt und doch das Neue, das Göttliche ist, das nun dem Unrecht entgegentritt und Gottes Reich heraufführt. Gott ist anders – das erkennen sie nun. Und das bedeutet, dass sie nun selbst anders werden, Gottes Art erlernen müssen.“
„Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.“ Indem die Sterndeuter einen anderen Weg in ihre Heimat wählen, tricksen sie nicht nur den eifersüchtigen König aus. Ihre Rückreise steht symbolisch für ihre innere Verwandlung, die jeder Mensch erfährt, der sich einmal ganz auf Jesus Christus eingelassen hat. Wer der Liebe Gottes begegnet ist, wird neue Wege gehen.
In einer auf den ersten Blick sehr viel banaleren Art und Weise treten jährlich rund 400.000 Deutsche ihren Heimweg völlig ungeplant an: Im Ausland verunglückt oder erkrankt, verwandelt sich der Urlaub plötzlich in eine Situation voller Ungewissheit und ein Gefühl des Ausgeliefert-Seins. Rund 15.000 Menschen holen die Malteser jährlich zurück nach Hause, im Flugzeug oder Krankentransportwagen. Der Malteser Rückholdienst ist für die Betroffenen ein wirklicher Ausweg. Er bietet aber auch die Chance auf ein wenig Demut. Der schönste Strand, das beste Hotel sind plötzlich belanglos geworden, die Perspektive verschiebt sich. Wer diese Erfahrung einmal gemacht hat, wird vielleicht sensibler werden für das kostbare Gut der Gesundheit, wird vielleicht sensibel dafür werden, dass wir in unserer Gesellschaft trotz aller Debatten um das Gesundheitswesen noch immer hervorragend versorgt sind im Unterschied zu vielen der Menschen, die in vielen unserer beliebten Urlaubsländern leben. Wer diese Erfahrung von Demut macht, gepaart mit der Dankbarkeit gegenüber den Helfern, der wird vielleicht wirklich – mit den Worten des Papstes – ein Stück von „Gottes Art erlernen“ können und sich neue Sichtweisen auf sein Leben und die Welt erschließen.







