Buchcover

Womit bezahlen?

Der russische Dichter Leo Tolstoi erzählt von einem reichen Menschen, der alles hatte und das im Überfluss. Einen Leibkoch, einen Bodyguard, viele Dienerinnen und Diener. Natürlich ein Schloss und andere Immobilien. Einen Fuhrpark mit Nobelkarossen. Er hatte sogar einen eigenen Leibarzt und deshalb vor nichts und gar nichts Angst. Außer ? vor dem Tod.

Als es ans Sterben ging, befahl er seinem Lieblingsdiener: Leg mir von meinen hundert Säcken Gold den dicksten in den Sarg. Ich will nicht ohne Geld in den Himmel! Gesagt, getan. Als der Reiche im Himmel ankam, setzte der sich sogleich auf die nächste Wolke. Noch nie hatte er einen so schweren Sack getragen. Er war ganz außer Atem. Und er verspürte Hunger.

Wie er sich so umsah, erblickte er auf der übernächsten Wolke eine Leuchtreklame: ?Restaurant zu den sieben Engeln.? Als er näher kam, fühlte er sich in seinem Lebensentwurf auch im Himmel bestätigt. Unter der Reklame war ein kleines Schild angebracht: ?Einheitspreise für jede Mahlzeit: eine Kopeke?! (Die Geschickte stammt ja aus Russland!) Ja, dachte er, da habe ich mit meinem Kapital für die Ewigkeit ausgesorgt! Das Restaurant ging mit der Zeit, es war ein Selbstbedienungs- restaurant. Der Reiche legte auf Teller und Tablett, was im zusagte. ?Eine Kopeke bitte? sagte der Engel an der Kasse. "Hier hast du zehn Kopeken", sagte der reiche Mensch, ?der Rest ist Trinkgeld, ich kann es mir ja leisten.?

?Iswenitje? sagte der Engel, ?excuse me, pardon. Entschuldigung! Wusstest Du denn nicht, das man im Himmel nur mit dem bezahlen kann, was man auf der Erde verschenkt hat?!?

Franz Meurer, Pfarrer

Der Impuls als PDF

aus: Meuer, Becker, Stankowski: Von wegen nix zu machen. Werkzeugkiste für Weltverbesserer. Köln 2007. S. 16-17.
womit_bezahlen.pdf (0,14 MB)
Name: Pfarrer Franz Meurer
Funktion: Diözesanseelsorger
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