Babyfuss in Erwachsenenhand

Und alle, die es hörten, staunten ...

?In jener Zeit eilten die Hirten nach Betlehem und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über das Kind gesagt worden war. Und alle die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.?
(Lk 2,16-21)



Liebe Malteser,
in Eurem Einsatz wird Euch vielleicht auch so etwas widerfahren wie diesen Hirten. Ihr kommt und seht ein Kind in ärmsten Verhältnissen, verwahrlost und unterernährt. Die Eltern nicht gerade vertrauenerweckend. Eher den Eindruck hinterlassend, dass sie nicht im Stande sind, dieses Kind richtig zu versorgen.

Also erst einmal handeln und nicht reden! Das Kind untersuchen, womöglich ins Krankenhaus fahren. Auf jeden Fall erst einmal versorgen. Als guter Malteser natürlich auch die Eltern unter die Lupe nehmen und untersuchen. Die Familie optimal versorgen, streng nach den Richtlinien und nicht mit Material geizend.
Halt alles tun, was notwendig ist - unter Einsatz unserer ganzen Professionalität.

Dann der Zentrale melden, alles im Griff - Erstversorgung gesichert!

Danach können wir endlich erzählen:
"Schreckliche Zustände, gerade noch rechzeitig gekommen, die Eltern unverantwortlich, das könnt Ihr Euch nicht vorstellen, wie es dort aussah."

Verantwortlich handeln und es dem Jugendamt melden. Den Eltern vielleicht unterschwellig Vorwürfe machen. Unter Berücksichtigung aller Vorschriften den ganzen Apparat der Verwaltung in Gang bringen, um die Zukunft des Kindes zu sichern und Schlimmeres zu verhindern.

Dann der Zentrale melden, Fall abgeschlossen - an die nächste Instanz weitergeleitet!
Ich kann mir vorstellen, dass es so ablaufen könnte.


Unwahrscheinlich wäre diese Variante:

"Hallo Einsatzleitung!!!
Sind am Einsatzort und haben ein niedliches Kind gefunden mit blonden Locken und wunderschönen blauen Augen. Dieses Kind ist echt niedlich und sooooooooo süß!

Die Eltern sind sehr erleichtert, dass die Geburt unter diesen Umständen geglückt ist. Sie haben bereits einen Namen für dieses Kind. Wir durften es auch schon im Arm halten und schauen, wie wir jetzt weiter helfen können. Melden uns wieder, wenn es was Neues gibt."

Und die Einsatzleitung staunte über die Worte, die sie hörte.

Ich wünsche Euch allen ein gutes Jahr und Mut, einmal auch die unwahrscheinliche Variante auszuprobieren.

Peter Wycislok, Pfarrer

Pfarrer Peter Wycislok
Name: Pfarrer Peter Wycislok
Funktion: Stadtjugendseelsorger und Stadtseelsorger Köln
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