Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir

Oktober - ein Rosenkranzmonat

Das Kirchenjahr bietet uns eine Vielzahl von Festen, Gedenktagen und Feiern. Alle diese besonderen Feiern inmitten des Alltags wollen uns Anlass geben, aufzumerken, still zu werden und für eine gewisse Zeit den Alltag hinter uns zu lassen. Wie eine jede Zeit im Kalender ihre ganz typischen Merkmale hat, die wir dann mit unseren je eigenen Empfindungen verbinden, so gibt es im kirchlichen Jahreskreis nicht nur ?geprägte Zeiten?, also die Advents- und Weihnachtszeit, die Fasten- und Osterzeit, sondern eine Vielzahl weiterer Gedenktage wie etwas die Feier von Hochfesten und Heiligenfeste. Andachten, Prozessionen und Wallfahrten - alle Ausdruck von "Volksfrömmigkeit" gehören dazu.

Eine solche besondere Gedenkzeit begehen wir nun auch wieder in den Tagen des Monats Oktober. In diesem ?Rosenkranzmonat? grüßen und ehren wir im Gebet Maria. Wenn wir den Rosenkranz in die Hand nehmen und beten, dann führt uns dieses Gebet näher zu Christus. Die einzelnen Perlen, also die Gesätze des Rosenkranzes lassen uns Christus schauen. Die Verehrung Mariens als Gottesmutter lässt sich bis in die Urzeit des Christentums zurückverfolgen. Eines der ältesten Mariengebete ist zum Beispiel das bekannte ?Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin ??; dieses Gebet wird auf das Jahr 250 datiert.

"Ein Kranz geistlicher, weißer, roter und goldfarbener Rosen"

Vom Rosenkranz kann man sagen, dass dieser schon seit dem 13. Jahrhundert ? oder sogar schon früher ? bei denChristen bekannt ist. Als sogenannte ?Pater-noster-schnur? wurde er fast überall in Europa von ?Pater-noster-machern? hergestellt. Übrigens: Auch in außerchristlichen Religionen, z.B. im Hinduismus, Buddhismus und im Islam lässt sich häufig die Verwendung einer Gebetsschnur als Andachtsmittel finden. Die Gebetsschnur dient als Mittel zur Zählung von Gebetsformen. Besonders von Zisterziensermönchen und Dominikanern wurde der Rosenkranz im Hochmittelalter praktiziert und verbreitet. Eine Deutung der damaligen Zeit besagt, dass die ?Gebetsübung ein Kranz geistlicher, weißer, roter und goldfarbener Rosen zu Ehren der Gottesmutter sei?. Der Rosenkranz ist also eine Reihung von vielfachen Mariengrüßen.

Die Sitte, Gebete zu wiederholen und an Steinchen, Knoten usw. zu wiederholen entspricht einem ganz praktischen Bedürfnis: Der Mensch kommt nämlich seinem inneren Empfinden nach, die Innigkeit der Gedanken in Einklang mit seiner Seele zu bringen. Die Zahlensymbolik 10 Ave Maria je Gesätz und 5 Gesätzte je Rosenkranz, drückt dabei die ganze Fülle des Heilgeschehens aus. Die fast rhythmisch gesprochenen Formen von Gebeten, Anrufungen, Bitten und Preisungen sind also keine stupiden oder gar einfallslosen Wiederholungen, sondern haben echten meditativen Charakter. Der Gruß an Maria im ?Ave? wird verbunden mit den einzelnen Betrachtungen, den Gesätzen, die uns immer wieder das Heilswirken Gottes durch die Menschwerdung, das Leiden, die Auferstehung und Verherrlichung seines Sohnes Jesus Christus in Erinnerung rufen.

Maria ist für uns Menschen ein echtes Vorbild

Maria möchte uns als Mutter Jesu regelrecht an ihre Hand nehmen und uns direkt zu ihrem Sohn Christus führen. Sie ist daher für uns Menschen ein echtes Vorbild, weil an ihr als erstem Menschen das göttliche Wirken sichtbar wurde, wie wir alle es in unserer Taufe als Christen gnadenhaft empfangen dürfen. So hat sich in Maria schon alles erfüllt, was wir im Glauben an Jesus Christus erwarten dürfen. Daher wird sie auch als die ?neue Eva? bezeichnet.

Rosenkranz beten heißt also: Im Gespräch mit Christus und Maria seinen Weg durch Leben gehen und bei IHM verweilen. Wir betrachten das Leben, das Leiden, die Auferstehung und Verherrlichung.
Im Beten des Rosenkranzes sind wir also auf die Fürsprache der Mutter aufs Innigste mit Christus selbst verbunden, der für uns ?der Weg, die Wahrheit und das Leben ist?.

Wolfgang Rick, Pfarrer
Name: Pfarrer Wolfgang Rick
Funktion: Oberpfarrer Grevenbroich
Diözesanreferent für Psychosoziale Unterstützung (PSU)
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