Tuitio fidei et obsequium pauperum
Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen
Ich denke, daß wir als Malteser genau das zu leben versuchen, wenn wir uns bewußt sind, wie wichtig dieses Erbe und dieser Auftrag ist: nämlich in der Nachfolge Christi zu stehen und als apostolische Menschen zu wirken.
Wenn wir Christus in seiner, in unserer Zeit nachahmen und nachfolgen wollen, müssen wir zu einem freudigen Dienst an unseren Mitmenschen bereit sein. Zuerst müssen wir uns selber geben, um dann Gottes Gabe zu empfangen. Am Ende kommt alles vor Gott. Und doch kann Gottes Gabe uns nicht erreichen, wenn wir nicht zuerst selber Gebende geworden sind.
Wie kann uns das aber gelingen, wenn wir uns nicht täglich bewußt machen als Kinder Gottes unseren Weg durch Raum und Zeit zu gehen, apostolisch wirkend, so wie die Jünger des Herrn es taten. Jeder an seinem von Gott vorherbestimmten Platz in der Gesellschaft. Deshalb weist die Kirche uns auf die Pflicht und das Recht hin, die menschliche Gesellschaft prägend mitzugestalten. Hierzu sind besonders die gläubigen Laien aufgerufen.
?Sie?, so heißt es im Dekret des II. Vatikanischen Konzils über das Apostolat der Laien, ?müssen den Aufbau der zeitlichen Ordnung als die gerade ihnen zukommende Aufgabe auf sich nehmen und dabei, vom Licht des Evangeliums geleitet sowie von christlicher Liebe gedrängt, unmittelbar und entschieden handeln?, und zwar ?aus ihrer spezifischen Sachkenntnis heraus und in eigener Verantwortung als Bürger?. (II. Vat. Konz., Dekret ?Apostolicam actuositatem?, 7)
Malteser als Sauerteig einer menschlichen Gesellschaft
Im Hinblick auf die Zukunft müssen wir unser Erbe und unseren Auftrag darin sehen, daß wir unseren ganz konkreten Lebensbereich mit dem Licht des Glaubens erfüllen. Hier beginnen Verantwortung und Sorge für die anderen im Geiste der Tradition der Malteser. Als katholische Christen sehen wir doch über die eigenen vier Wände hinaus und suchen nach Möglichkeiten, das Geschehen in Kirche und Welt, nicht zuletzt auch in und durch unseren Dienst mitgestalten zu wollen.
Dieses Bewußtsein verpflichtet uns Malteser in der Welt zu leben, wohl wissend, daß wir ?der Sauerteig und die Seele der in Christus zu erneuernden und in die Familie Gottes umzugestaltenden menschlichen Gesellschaft? ( II. Vat. Konzil, ?Gaudium et spes?) sein müssen. So sollten wir uns gedrängt fühlen, wo auch immer, bei einer politischen Wahl, wenn es um Schule und Ausbildung der Kinder oder den Ferienort für die Familie geht, oft gegen gängiges Verhalten und weitverbreitete Vorurteile nach unserem christlichen Gewissen zu handeln. Konfessionslosigkeit und Neutralität sind doch alte Mythen, die sich immer neu aufputzen wollen.
Katholischsein kann man nicht als Hut an der Garderobe abgeben
Haben
wir schon einmal darüber nachgedacht, wie absurd es ist, daß man
aufhört katholisch zu sein, wenn man in der Universität, in der
Berufsorganisation, bei einer wissenschaftlichen Tagung, im Parlament
oder sonst wo im öffentlichen Leben auftritt wie jemand, der seinen Hut
an der Garderobe abgibt?
Ein christlicher Staatsbürger, zumal ein
Mitglied der Malteser, der sich seiner Aufgabe in der Gesellschaft
bewußt ist, wird daher die Hintergründe politischer, gesellschaftlicher
oder kultureller Initiativen prüfen und werten.
Aber nicht nur
kritisch prüfen ist die Aufgabe eines Christen in der Welt, sondern
auch, selbst initiativ zu werden. Ein kritisches Gespür für
gegenwärtige Entwicklungen, aktives Mitwirken aus menschlicher
Verantwortung und apostolischem Geist, gegründet auf eine große Liebe
zur Kirche und ihrer Lehre: So ist ein Christ fähig, in einer
diesseitigen Interessen verödenden Welt befruchtend zu wirken. Dabei
dürfen Meinungsforschungen und Werbung für uns keine Kriterien sein.
Die Frage ist, wer sagt uns, was wir brauchen, und wer führt uns, etwa
mit Mitteln der Meinungsforschung und der Werbung, bloß dahin, wohin er
uns haben will? Wo sind wir frei und wo werden wir insgeheim gesteuert
als Menschen, die man an ihren Wünschen und Emotionen ziehen kann wie
Marionetten, auch in der Kirche? Wissen wir auf all das klare Antworten?
"Was er euch sagt, das tut"
Ich kenne nur die eine aus dem Mund der Mutter Christi, die den Jüngern sagt: ?Was er euch sagt, das tut!? (Joh 2,5)Wir sollten mit aller Kraft die Gottesfrage unserer Zeit als eine große Herausforderung annehmen und den Mitmenschen als ein geschenktes Gut vor Augen halten. Dabei ist es manchmal gut nach dem Motto vorzugehen: ?Rede nicht von Gott, wenn du nicht gefragt wirst, aber lebe immer so, daß man dich fragt!?
Wir sollten alle dazu einladen, in Gott den Schlüssel für das Geheimnis und die Würde eines jeden Menschen zu finden und sie ermutigen zum Evangelium des Lebens, wie auch zu einer solidarischen Menschengemeinschaft, die hilft, heilt und handelt.
Schließlich sollten wir uns nach einem Jahrtausend der Trennungen der Pflicht zu einem ökumenischen Weg bewußt sein. Die Zeit der Menschen ist Gottes Zeit. In sie hinein entläßt er seine Menschenkinder, in ihr sucht er sie und bewegt er sie zur Antwort, durch die sie sich selber finden. Sich dieser Zeitansage zur Verfügung zu stellen, muß die Ehre und die Pflicht der Kirche, und in ihr der Malteser in die Zukunft hinein sein.
?Unsere Bruderschaft wird unvergänglich sein, weil der Boden, auf dem diese Pflanze wurzelt, das Elend der Welt ist und weil, so Gott will, es immer Menschen geben wird, die daran arbeiten wollen, dieses Leid geringer, dieses Elend erträglicher zu machen.?
(dem seligen Meister Gerhard vom Hospital des Hl. Johannes zu Jerusalem (um 1040-1120) zugeschrieben
Markus Polders, Pfarrer
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