Von Superhelden und Millionen Legionen
Göttliche Gnade gibt es gratis
Gerecht gemacht aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. Durch ihn haben wir auch den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. (Röm 5,1-2)
Manch einer hält sich für einen Superhelden! Weil er schnell zur Stelle ist, weil er so viel kann und weil er so viel Engagement mitbringt. Das ist durchaus verständlich. Wenn man fix im Verstehen und Anpacken ist, wenn man was kann und wenn man was geworden ist, hinterlässt das ein gutes Gefühl. Das ist auch bei uns Maltesern nicht anders als bei allen anderen Menschen. Aber muss man sich deshalb gleich zum Superhelden machen?
Und es gibt noch ein anderes Gefühl. Wenn es für so einen Superhelden einmal nicht so läuft, wie es laufen sollte, dann bricht eine Welt zusammen: "Wer bin ich denn schon? Ich kann ja doch nix? Alle sind gegen mich!"
Diese Gefühle wachsen aus der Überzeugung, selbst alles können zu müssen, alles im Griff zu haben zu müssen und stets in allen Angelegenheiten Bescheid wissen zu müssen. Sie wachsen aus dem Willen des Menschen, selbst perfekt sein zu müssen. Je perfekter wir werden, so denken wir, desto glücklicher werden wir. Je perfekter wir sind, desto mehr sind wir anerkannt, von den Menschen und von Gott? Je perfekter wir sind, je mehr wir richtig gut machen, desto mehr muss es sich auszahlen bei Gott und den Menschen?
Dieser Wunsch nach eigener Perfektion ist aber ganz und gar unchristlich.
Sein zu wollen wie Gott: das ist der erste und größte Sündenfall des Menschen am Anfang aller Tage. Ich erinnere mich gut an eine Begebenheit an meiner alten Kaplansstelle in Neuss, wo ich mich - nachdem ich mich für die Pfarrgemeinden aufgerieben hatte, ziemlich etwas abgearbeitet hatte und dennoch kein Ende sah - bei einem Mitbruder über die viele getane Arbeit beschwerte, die kaum jemand wahrnahm. Er antwortete ganz gelassen: "Du weißt aber schon, dass du die Welt nicht erlösen muss. Sie ist erlöst durch Jesus Christus."
Nicht aus uns selbst, nicht aus dem was wir schaffen, nicht aus dem was wir tun, nicht aus dem was wir können werden wir gerecht vor Gott. Aus dem Glauben werden wir gerecht. Wie es Paulus formuliert: Gerecht gemacht aus Glauben. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass sich der Mensch die Gerechtigkeit Gottes nicht verdienen kann. Wir können uns nicht durch ein noch so gutes Leben alleine in den Himmel hinein kämpfen. Es ist das Geschenk göttlicher Gnade, dass Gott und Mensch wieder zueinander finden können. In dem lateinischen Wort für Gnade, Gratia steckt es drin: das gibt es gratis, dass Versöhnung zwischen dem sündigen, unvollkommenen Menschen und dem klaren reichen, vollkommenen Gott geschehen kann. Egal was wir tun, die Gnade Gottes kommt dem Tun des Menschen immer zuvor. Gnade unabhängig von den Werken.
Dann ist es ja egal, was ich tue
Nun könnte der eine oder andere sagen: Dann ist es ja egal, was ich tue, ob ich mich engagiere und mit anpacke. Dann kommt es nicht darauf an, wie ich lebe. Ich muss nur glauben, und anschließend wird alles wieder gut. Dieses Klischee von der katholischen Kirche ist bekannt: Die Katholiken haben es gut, sie können tun und lassen was sie wollen, gehen in den Beichtstuhl und alles ist wieder paletti, sie sind wieder rein gewaschen. Das klingt so, als sei das Handeln des Menschen unwesentlich. Das ist es aber nicht. Es stimmt zwar, dass der Mensch aus Gnade und aus dem Glauben gerecht wird vor Gott. Aber wir Menschen sind aufgefordert, die Gnade Gottes zu ergreifen. Es kommt auf die Reihenfolge an: Nicht weil ich Gutes tue, liebt Gott mich, sondern weil ich von Gott geliebt bin, kann ich Gutes tun. Ein Mensch, der nie Liebe erfährt, wird auch keine Liebe weitergeben können! Wer von der Gnade und der Liebe Gottes ergriffen ist, handelt automatisch anders. Er sagt nicht: Ich kann tun und lassen was ich will. Im Gegenteil: Indem ich in dem Bewusstsein lebe, dass Gott für mich da ist und mich liebt, empfange ich die Kraft, selbst Liebender zu werden.
Wirkliche Superhelden
Wir sollen die Gnade, die wir von Gott geschenkt bekommen haben, nicht verspielen. Vielmehr sollen wir in der Gemeinschaft der Malteser und aller Menschen guten Willens in der Gnade leben - dann werden wir zu wirklichen Superhelden. Ganz so wie es die Fantastischen Vier in ihrem Lied "Millionen Legionen" gedichtet haben. Es klingt so, als würde Gott selbst handeln: "Und dann ruft er alle Superhelden, alle großen Meister, alle Highlander, alle Krieger, alle guten Geister, alle Superfreaks und Auserwählten, und er ruft dich, und hat Millionen Legionen hinter sich."
Pfarrer Dr. Dominik Meiering
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"Gerecht gemacht aus Glauben"
Röm 5,1-2. 5-8Gerecht gemacht aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. Durch ihn haben wir auch den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns unserer [mehr...]







