Wahrheit oder Lüge
"Empfangt den Heiligen Geist" (Joh 20, 22)
Liebe Jugendhelfer,
liebe Gäste auf dem diesjährigen Pfingstzeltlager der Kölner Malteser Jugend in Much,
im Cafezelt habe ich in Eurer Spielekiste das Gesellschaftsspiel mit dem Titel: "Wahr oder gelogen" gefunden. In der Spielanleitung habe ich folgenden bemerkenswerten Satz gefunden: "Die Wahrheit ist oft noch unglaublicher als eine erfundene Geschichte. Beim Spielen von Wahrheit oder Lüge müssen Sie sich bei jeder Karte, die sie ausspielen, aufs Neue entscheiden, ob das, was Sie hören, wahrlich unglaublich oder unglaublich wahr ist."
''Es war nur Spaß''
Der Begriff Wahrheit hat die Menschen zu allen Zeiten beschäftigt. Viele wichtige Menschen haben diesen Begriff von allen Seiten beleuchtet. In der Bibel hat der Begriff eine zentrale Bedeutung. Dabei hat die Wahrheit allerdings nichts mit Spiel zu tun, Wahrheit und Spiel scheinen sich eher zu widersprechen. Für ein Spiel ist die Wahrheit zu ernst, zu bedeutungsvoll, zu folgenreich. Und doch hat die Wahrheit es heute nicht leicht, ernstgenommen zu werden. Allzu oft wird sie verbogen oder zurechtgebogen, wird die Unwahrheit und Lüge entschuldigt mit der Aussage: "Es war nur Spaß".
Die Wahrheit hat es heute schwer, sich durchzusetzen, sie steht nicht mehr hoch im Kurs,
sei es im öffentliche Leben, in Wirtschaft und Politik, oder im privaten Bereich (z.B. in der Familie, auf der Malteser Dienststelle, in der Jugendgruppenstunde, unter Freunden). Die Wahrheit kann nämlich unbequem, hart und verletzend sein. Sie fordert die Entscheidung - genau wie es die Spielregeln des anfangs erwähnten Spiels vorgeben.
Da stellt sich die Frage: auf wen kann ich mich noch verlassen? Wem kann ich vertrauen?
Wem kann ich glauben?
Genau das ist die Situation, in der sich die Jünger Jesu befinden, an die sich der Evangelist Johannes richtet. Sie befinden sich in einer Minderheit, müssen sich behaupten und abgrenzen von vielen anderen Lehren. Sie erfahren Widerstand und Ablehnung und sind Anfeindungen ausgesetzt. Da müssen sie sich der Wahrheit ganz sicher sein, dass die Botschaft des Jesus von Nazareth die Wahrheit war, ist und bleiben wird. Damit sie diese Gewissheit haben und schließlich selbst für diese Wahrheit einstehen können, verspricht Jesus den Geist, "den Geist der Wahrheit".
In der Heiligen Schrift wird der Begriff Wahrheit als eine Wirklichkeit verstanden, die mit Gottes Treue und Zuverlässigkeit zu tun hat. In den Evangelien wird dieses verstärkt: Gottes Liebe wird nicht im Verborgenen bleiben, sondern hat sich bewahrheitet und ist sichtbar geworden in seinem Sohn Jesus Christus. Dafür ist der Heilige Geist der Garant.
Jesus ist der Weg, die Wahrheit und das Licht
Es ist eine Wahrheit, die niemals zu beweisen sein wird. Nur indem man sich selbst darauf einlässt, kann man erfahren, dass Jesus, der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Nur im Glauben und Vertrauen wird er selbst wahr, wirklich und lebendig. Nur für die, die aus dieser Wahrheit leben, bewährt und bewahrheitet sie sich als die einzig Richtige.
Dies war vor 2000 Jahren für die ersten Jünger so und das ist es auch noch heute für uns Christen im 21. Jahrhundert. Dabei brauchen wir heute genauso notwendig oder noch notwendiger den Halt, den Beistand, die Orientierung, wie die damaligen Adressaten des Johannes-Evangeliums. In Anbetracht der vielen Probleme brauchen wir heute alle Jesus und seinen Geist der Wahrheit: Nicht nur in Politik oder Kirche ganz weit weg, sondern auch ganz konkret hier bei uns, auf unserem Zeltlagerplatz, bei wöchentlichen Gruppenstunden, auf der Dienststelle der Kölner Malteser, bei Einsatzbesprechungen, beim Treffen mit unseren Freunden in der Freizeit oder in der Schule.
In seinem Geist hat Jesus es wahr gemacht: Ich bin bei euch alle Tage!
Wir brauchen den Geist der Wahrheit, weil wir jemanden brauchen, der den Nöten nicht aus dem Weg geht. Der die Erwachsenen mit den Jugendlichen versöhnt. Der nicht nach Malteser-Fachbereichen, Aussehen oder Intelligenz einteilt. Der sich nicht bloß für die Mächtigen und Erfolgreichen interessiert, die das Geld für den Verband hereinholen. Der vom Frieden nicht nur spricht, sondern ihn vorlebt. Der allen Menschen und somit auch allen Maltesern Orientierung bietet Der auch in mir wirkt, mich liebesfähig macht und mich befreit von kleinlichen Sorgen, Angst und Aggressionen. Der mich braucht ohne mich zu missbrauchen. Der meinem Leben Sinn gibt und auf den wir uns alle verlassen können.
Dafür Zeugnis abzulegen, dafür selbst einzustehen, sind wir aufgerufen: frei von Heuchelei, Duckmäusertum und Kleingläubigkeit, sondern mit Mut, Aufrichtigkeit, Zuverlässigkeit und unverwechselbarer Treue und Identität.
Der Untertitel des Spiels "Wahrheit und Lüge" lautet: "Gesunder Menschenverstand gewinnt". Für Menschen, deren Spielregeln sich nach dem Geist Jesu ausrichten, kann das Motto nur lauten: Glaube und Vertrauen gewinnt! Der Geist Jesu gewinnt! Lassen wir uns von diesem Geist in die Zukunft führen. AMEN
Marc Kubella, Diakon
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