Der Selige Gerhard
Wer seine Vergangenheit nicht kennt, den kann es seine Zukunft kosten.
Wer sich für die Geschichte der Malteser und speziell für die Anfänge interessiert, stößt auf einen Mann namens Gerhard oder Gerhardos. Im Maltesergebet wird er erwähnt. „…auf die Fürsprache des Seligen Gerhard“. Verschiedene Einrichtungen der Malteser sind nach ihm benannt. z.B. das Bruder Gerhard Haus in Dortmund, das Altenwohnheim „Malteser Stift Seliger Gerhard“ in Simmerath, das Malteser Hospiz-Zentrum Bruder Gerhard in Hamburg. Manch einem wird die „Bruderschaft des Sel. Gerhard“ und das Hospiz in Mandeni (Südafrika) bekannt sein, die von Pater Gerhard Lagleder OSB gegründet worden sind. In der Kommende in Ehreshoven ist die Kapelle dem Sel. Bruder Gerhard geweiht. Unter dem Altar befinden sich Reliquien von ihm. Zum Ende des Jahres wird im Innenhof der Kommende ein Brunnen aufgestellt sein, auf dem der Sel. Gerhard als junger kraftvoller Mann dargestellt ist.
Seine Geschichte
Details von diesem Gerhard sind kaum bekannt. Doch es gilt als wahrscheinlich, dass er aus Süditalien stammt und im Rahmen von Handelsbeziehungen zwischen Amalfi und Jerusalem in Jerusalem gelandet ist. Als Kaufmann hatte er zu organisieren gelernt und mit Geld umzugehen. Zugleich ist er Not und Elend vieler Menschen und besonders der Pilger und Wallfahrer begegnet. Er muss ein hervorstechendes Organisationstalent gehabt haben. Dies wird der Grund gewesen sein, warum ihm die Leitung des Hospitals übertragen wurde, das die Amalfiner Kaufleute zur Betreuung von Kranken und Bedürftigen neben der Kirche des Hl. Johannes aufgebaut hatten. Dennoch schien Gerhard in Sarazenische Gefangenschaft geraten zu sein. Als ihn die Kreuzritter nach der Eroberung von Jerusalem befreiten, fanden sie ihn offenbar in einem desolaten Zustand vor. Man hatte ihn in der Gefangenschaft gefoltert. Bei den neuen Herren von Jerusalem genoss er ein hohes Ansehen. Er bekam die Möglichkeit, das Hospital zu erweitern. Viele Kreuzfahrer fühlten sich von ihm und seiner Arbeit angezogen. Sie halfen ihm in seiner Aufgabe im Hospital. So entwickelte sich eine kleine Kommunität unter seiner Leitung, die zunächst stark vom Geist des Benediktinerordens beeinflusst wurde. Doch je mehr sich das Krankenhaus als Institution in Jerusalem etablierte, desto weniger schien die Regel des Hl. Benedikt praktikabel zu sein. Der Konvent löste sich vom Orden der Benediktiner und orientierte sich mehr an der Regel der Augustiner. Papst Paschalis II bestätigte im Jahre 1113 die Regel und zwar mit einem apostolischen Schreiben, das an „Gerhard, dem Gründer und Oberen des Fremdenheimes zu Jerusalem und seinen rechtmäßigen Nachfolgern“ gesandt wurde. 1120 starb Gerhard eines natürlichen Todes.
Bruder Gerhards Grabinschrift
Hier liegt Gerhard,
Der demütigste Mann unter den Bewohnern des Ostens;
Der Diener der Armen,
Der als Freund die Fremden willkommen hieß;
Sein Äußeres war bescheiden,
Aber in ihm leuchtete ein edles Herz.
Das Ausmaß seiner Güte istin diesen Mauern erkennbar.
Er war vorausschauend in vielen Dingen
Und sorgfältig in all seinem Tun.
Er übernahm zahlreiche Aufgaben verschiedenster Art;
Indem er seine Arme fleißig nach vielen Ländern ausstreckte,
Sammelte er Mittel von überall her,
Um die Seinen zu versorgen.
Am 13.Oktober feiern an verschiedenen Orten Malteser seinen Namenstag, um an ihren Gründer und an das zu erinnern, was auf ihn zurückgeht, z.B. in Ehreshoven „Ein Tag zum Lobe des Sel. Gerhard“ oder in Hildesheim, wo mit einer Vesper der Malteser und Johanniter an den Gründer gedacht wird.
Es ist lohnend, immer mehr dem Sel. Gerhard auf die Spur zu kommen, denn „Wer seine Vergangenheit nicht kennt, den kann es seine Zukunft kosten“.
„Demütig bitten wir Dich, … auf die Fürsprache des Sel. Gerhard….lass die Treue zu unserer Gemeinschaft mein Leben und Handeln durchdringen“ (Malteser Gebet).
Wilderich v. Spies
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