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Malteser in der Erzdiözese Köln

Bad Honnef: Malteser leisten rund 700 Stunden "Dienst am Jecken"

Flüchtlinge halfen mit

12.02.2016
Sameer Al-Kawaritt (li.) und Abdulsattar Altaee sind bei den Jecken gut angekommen. Das Bild entstand bei der After-Zoch-Party in Bad Honnef.
Sameer Al-Kawaritt (li.) und Abdulsattar Altaee sind bei den Jecken gut angekommen. Das Bild entstand bei der After-Zoch-Party in Bad Honnef.
Younis Kareem aus dem Irak will aktiver Malteser werden.
Younis Kareem aus dem Irak will aktiver Malteser werden.
Gemeinsam in Aegidienberg im Dienst (v.l.): Rainer Stens, Sameer Al-Kawaritt und Abdulsattar Altaee. Alle Fotos: Ralf Klodt/MHD
Gemeinsam in Aegidienberg im Dienst (v.l.): Rainer Stens, Sameer Al-Kawaritt und Abdulsattar Altaee. Alle Fotos: Ralf Klodt/MHD

Zum Ende der Karnevalssession 2015/2016 ziehen die Bad Honnefer Malteser eine positive Bilanz. Rund 700 Dienststunden kamen bei 12 Einsätzen in der aktuellen Session zusammen. Erstmals wurden die Malteser beim Karnevalsdienst auch von drei Flüchtlingen unterstützt, die zuvor an Erste-Hilfe-Kursen teilgenommen hatten und nun selbst Malteser werden wollen. Ihre Integration hat Modellcharakter.

Vom Karnevalsumzug bis zur „Kölschen Mess“ leisteten die ehrenamtlichen Sanitäter bei rund einem Dutzend Veranstaltungen im Siebengebirgsraum fast 700 Dienststunden. Die meiste Zeit blieben die Notfallrucksäcke dabei geschlossen, aber immerhin rund 20 Mal war Erste Hilfe nötig und in einem Fall musste ein Patient ins Krankenhaus transportiert werden. Die großen Karnevalszüge in Bad Honnef und Aegidienberg betreuten die Malteser wieder gemeinsam mit dem DRK und rund 50 Einsatzkräften, die die beiden Hilfsorganisationen je zur Hälfte stellten.

Integration durch gemeinsames Helfen

Die Beteiligung von Flüchtlingen am aktiven Hilfsdienst ist ein Novum, erklärt Malteser-Stadtbeauftragter Dr. Andreas Archut: "Eigentlich liegt es auf der Hand, dass gemeinsames Helfen die Integration fördert, aber wir mussten trotzdem erst einmal darauf kommen, dass Flüchtlinge nicht nur Empfänger unserer Dienstleistungen sein können, sondern selbst mit anpacken." Der Schlüssel sei letztlich die Idee gewesen, einen englischsprachigen Erste-Hilfe-Kurs zu veranstalten.

Inzwischen haben zwei Kurse stattgefunden, an denen 30 Flüchtlinge aus vielen verschiedenen Ländern teilnahmen. Archut: „Dass aus den Kursen neue Malteser-Helfer hervorgehen würden, wagten wir nicht einmal zu träumen, obwohl wir diesen Sommer immer wieder die Erfahrung gemacht haben, dass mehr Helfer, die die einschlägigen Flüchtlingssprachen sprechen, oft ein großer Vorteil gewesen wären.“ Die Einsatzeinheit der Malteser half in den Sommermonaten bei der medizinischen Erstuntersuchung neu angekommener Flüchtlinge mit.

Vier von den Erste-Hilfe-Kursteilnehmern, zwei Syrer und zwei Iraker, wollen aktiv bei den Maltesern werden und besuchen nun regelmäßig die wöchentlichen Helferabende. Das funktioniert auch deshalb gut, weil die Neuankömmlinge immer besser Deutsch verstehen und auch zu sprechen lernen. „Funktionierte die Kommunikation anfangs ausschließlich auf Englisch, so sprechen wir inzwischen meistens Deutsch und nutzen Englisch nur, um eine fehlende Vokabel zu erklären oder wenn die Aussprache Probleme bereitet“, erzählt Archut.

Enorme Lernbereitschaft

Sameer Al-Kawaritt aus Syrien ist einer von drei Neu-Maltesern, die am vergangenen Wochenende mehrfach als Praktikanten im Karnevalseinsatz dabei waren. „Ich möchte später Medizin studieren“, sagte er, als er sich auf Anregung seines Deutschlehrers bei den Maltesern vorstellte. In der orange-blauen Malteser-Kluft ist Al-Kawaritt auf den ersten Blick von seinen deutschen Kollegen nicht zu unterscheiden. Archut erklärt: „Wichtig ist natürlich, dass wo Malteser draufsteht, auch Malteser drin ist. Da macht es keinen Unterschied, ob der aus Damaskus oder Darmstadt kommt. Darum erhalten Anwärter bei uns erst eine ‚persönliche Schutzausrüstung‘, wenn sie die Voraussetzungen dafür erfüllen – also mindestens einen Erste-Hilfe-Kurs erfolgreich absolviert haben, regelmäßig zu Fortbildungsabenden erscheinen und für den aktiven Dienst geeignet erscheinen.“ So wie Sameer, der seit seinem Erste-Hilfe-Kurs im Oktober eine enorme Lernbereitschaft unter Beweis gestellt hat. Nicht nur kann er sich inzwischen auf Deutsch verständigen, auch das Fachchinesisch der Sanitäter bereitet immer weniger Probleme.

Schwierig wird es allerdings, wenn das Gegenüber ganz anders spricht als erwartet. Rheinisch steht im Moment noch nicht auf dem Lehrplan, aber über die Karnevalstage sind wesentliche Vokabeln wie „Bützchen“, „Alaaf“ und „Schunkeln“ bereits fest abgespeichert. Auch Younis Kareem und Abdulsattar Altaee aus dem Irak verstehen noch nicht jedes Wort, das bei den Sanitätsdiensten gesprochen wird, aber das ist kein großes Problem: „Unsere Helfer haben die Neuen gleich ins Herz geschlossen und helfen mit Erklärungen auf Deutsch, Englisch und notfalls mit Händen und Füßen“, sagt Archut.

In den nächsten Wochen haben die Neu-Malteser ein nächstes Etappenziel: Sie wollen die sogenannte „Helfergrundausbildung“ absolvieren, die Voraussetzung für die Aufnahme in die Reihen der Aktiven ist. Danach steht der Ernennung zum Malteser-Helfer nichts mehr im Wege.

 

 

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